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Ratgeber · Vorsorge

Notfallordner anlegen — Checkliste und kostenlose Vorlage

Ein Notfallordner bündelt alles, was Angehörige oder Rettungskräfte im Ernstfall sofort brauchen. Dieser Ratgeber zeigt, welche zehn Bereiche hineingehören, ob digital oder Papier besser ist, wo der Ordner liegen sollte und wie Sie ihn aktuell halten – mit kostenloser Vorlage für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Aktualisiert: August 2026

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Warum jeder einen Notfallordner braucht

Im Ernstfall – ein Unfall, eine plötzliche Erkrankung, ein Todesfall – zählt jede Minute. Angehörige stehen unter Schock und müssen gleichzeitig Auskunft geben: Welche Medikamente werden eingenommen, gibt es Allergien, wer ist die Vertrauensperson, welche Krankenkasse ist zuständig, gibt es eine Patientenverfügung? Wer diese Antworten suchen muss, verliert Stunden, die niemand hat.

Ein Notfallordner rettet genau diese Zeit – und Nerven. Er beantwortet die häufigsten Fragen an einem einzigen Ort und nimmt Angehörigen die Last, im ungünstigsten Moment stellvertretend entscheiden zu müssen, ohne zu wissen, was Sie gewollt hätten. Das ist kein Thema für das hohe Alter: Der Ordner nützt Ihnen selbst, sobald Sie einmal für ein paar Tage handlungsunfähig sind.

  • Rettungsdienst und Spital erhalten sofort die medizinisch relevanten Angaben.
  • Angehörige wissen, wen sie benachrichtigen müssen und wer entscheidungsbefugt ist.
  • Fristen bei Versicherungen, Arbeitgeber und Behörden werden nicht verpasst.
  • Streit über Ihre Wünsche wird vermieden, weil sie schriftlich festgehalten sind.
  • Laufende Verpflichtungen – Miete, Abos, Haustiere – bleiben nicht liegen.

Die häufigste Ausrede — und warum sie nicht stimmt

«Das mache ich, wenn ich mal Zeit habe.» Diesen Satz hören wir am häufigsten. Dahinter steckt fast nie Unwille, sondern Unsicherheit: Die meisten Menschen schieben den Notfallordner auf, weil sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen und befürchten, ein grosses Projekt loszutreten. Genau dieses Gefühl ist die eigentliche Hürde – nicht der Aufwand.

Mit einer fertigen Checkliste dauert die Grundversion nur 20 bis 30 Minuten. Sie füllen aus, was Sie ohnehin im Kopf haben, und markieren den Rest als offen. Ein zu 70 Prozent ausgefüllter Notfallordner ist im Ernstfall unendlich viel wertvoller als ein perfekter, den es nicht gibt.

Praxis-Tipp: Setzen Sie sich einen Timer auf 30 Minuten und füllen Sie nur die Felder aus, die Sie ohne Nachschlagen beantworten können. Alles Übrige kommt auf eine Merkliste für später. So entsteht in einem Abend eine belastbare erste Fassung.

Diese 10 Bereiche gehören in jeden Notfallordner

Die folgende Struktur hat sich in der Praxis bewährt. Arbeiten Sie sie der Reihe nach ab – die ersten drei Bereiche decken bereits die meisten Notfallsituationen ab.

1. Persönliche Daten

Name, Geburtsdatum, Adresse, Zivilstand, Staatsangehörigkeit sowie die Fundorte von Ausweis oder Pass, Geburtsurkunde, Familienbüchlein und Heirats- oder Scheidungsurkunde. In der Schweiz gehört die AHV-Nummer dazu, in Deutschland die Rentenversicherungs- und Steuer-Identifikationsnummer, in Österreich die Sozialversicherungsnummer.

2. Notfallkontakte

Mindestens zwei Vertrauenspersonen mit Telefonnummer, Verhältnis zu Ihnen und dem Hinweis, wer zuerst angerufen werden soll. Ergänzen Sie Arbeitgeber, Nachbarn mit Schlüssel und – falls vorhanden – die betreuende Person für Kinder oder Haustiere.

3. Medizinische Informationen

Hausarzt und behandelnde Fachärzte, Krankenkasse mit Versichertennummer, Diagnosen, Dauermedikation mit Dosierung, Allergien und Unverträglichkeiten, Implantate sowie Blutgruppe und Impfstatus. Diese Seite sollte ganz vorne liegen und auch als Einzelblatt kopierbar sein.

4. Vorsorgedokumente

Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag beziehungsweise Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Testament oder Erbvertrag – jeweils mit Datum, Aufbewahrungsort und, falls hinterlegt, Registernummer. Im Ordner liegt eine Kopie, das Original bleibt am hinterlegten Ort.

Vertiefende Ratgeber zu diesen Dokumenten:

5. Bankverbindungen und Vollmachten

Bankverbindungen mit Institut und Kontoart (keine PIN und keine Passwörter im Klartext), bestehende Konto- und Depotvollmachten, Daueraufträge, Kredite und Leasingverträge. Halten Sie fest, wer über den Tod hinaus bevollmächtigt ist – das erspart Angehörigen wochenlange Blockaden.

6. Versicherungsübersicht

Kranken-, Unfall-, Lebens-, Haftpflicht-, Hausrat-, Rechtsschutz- und Motorfahrzeugversicherung mit Gesellschaft, Policennummer und Ansprechperson. Bei Lebens- und Todesfallversicherungen zusätzlich die begünstigte Person notieren, denn diese Leistungen laufen häufig am Nachlass vorbei.

7. Wohnung und laufende Verträge

Mietvertrag oder Eigentumsunterlagen, Verwaltung, Strom, Wasser, Heizung, Telefon und Internet, Abonnemente und Mitgliedschaften – jeweils mit Kundennummer und Kündigungsfrist. Diese Liste ist die Grundlage, um im Ernstfall zügig zu kündigen oder umzumelden.

8. Digitaler Nachlass

Zugang zum Passwort-Manager über einen hinterlegten Notfallzugang, Liste der wichtigen Online-Konten – E-Mail, Cloud, Online-Banking, soziale Netzwerke, Abos – und Ihre Anweisung, was damit geschehen soll: löschen, in den Gedenkzustand versetzen oder an eine bestimmte Person übergeben.

9. Bestattungswünsche

Erdbestattung, Kremation oder alternative Formen, gewünschte Feier, Musik, Redner, Todesanzeige, bereits bestehende Grabstelle oder ein Bestattungsvorsorgevertrag. Auch die Angabe «keine besonderen Wünsche» hilft – sie nimmt Angehörigen die Angst, etwas falsch zu machen.

10. Sonstiges

Haustiere mit Betreuungsperson, Tierarzt und Futtergewohnheiten, Schlüssel und deren Inhaber, Safe oder Bankschliessfach, wichtige persönliche Gegenstände sowie ein persönlicher Brief an Ihre Angehörigen. Dieser Bereich wird oft unterschätzt und im Ernstfall am meisten geschätzt.

PrioritätBereichAufwand
SofortPersönliche Daten, Notfallkontakte, medizinische Angabenca. 15 Minuten
KurzfristigVorsorgedokumente, Bank, Versicherungenca. 1 Stunde
MittelfristigVerträge, digitaler Nachlass, Bestattungswünsche, Sonstigesverteilt über einige Abende

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Notfallordner digital oder auf Papier?

Die ehrliche Antwort lautet: beides. Papier funktioniert ohne Strom, ohne Internet und ohne Passwort – der Rettungsdienst und Angehörige greifen sofort darauf zu. Die digitale Fassung wiederum lässt sich in Minuten aktualisieren, sicher teilen und geht bei einem Wohnungsbrand oder Wasserschaden nicht verloren.

KriteriumPapierDigital
Zugriff im Notfallsofort, ohne Technikabhängig von Gerät und Zugang
Aktualisierenaufwendig, Seiten ersetzenin Minuten erledigt
Schutz vor VerlustFeuer, Wasser, UmzugBackup, verschlüsselt gespeichert
Teilen mit VertrauenspersonKopie übergebenFreigabe oder Notfallzugang

Empfehlung aus der Praxis: Führen Sie die digitale Fassung als Master, drucken Sie nach jeder grösseren Änderung eine aktuelle Kurzfassung aus und legen Sie diese in einen sichtbar beschrifteten Ordner. Auf der ersten Seite steht das Datum des letzten Ausdrucks – so weiss jeder sofort, wie aktuell das Papier ist.

Wo sollte der Notfallordner aufbewahrt werden?

An einem bekannten, leicht zugänglichen Ort – nicht im Bankschliessfach und nicht in einem Tresor, dessen Code niemand kennt. Bewährt haben sich ein fester Platz im Wohnungsflur, im Aktenschrank oder neben dem Ordner mit den Versicherungsunterlagen, deutlich beschriftet mit «Notfallordner».

  • Mindestens zwei Vertrauenspersonen wissen, wo der Ordner liegt.
  • Eine Kopie der wichtigsten Seiten liegt bei einer Vertrauensperson ausserhalb des Haushalts.
  • Eine Hinweiskarte im Portemonnaie nennt Fundort und Kontaktperson.
  • Die medizinische Seite liegt ganz vorne und ist einzeln entnehmbar.
  • Originale von Testament und Verfügungen bleiben am hinterlegten Ort, im Ordner liegt der Verweis darauf.
Sensible Angaben wie Passwörter oder Kontonummern gehören nicht ungeschützt in einen Ordner, der offen im Regal steht. Notieren Sie dort nur den Weg zum Zugang – etwa den hinterlegten Notfallzugang des Passwort-Managers.

Notfallordner aktuell halten — wie oft?

Einmal jährlich prüfen genügt für die meisten Menschen. Legen Sie einen festen Termin fest, zum Beispiel den eigenen Geburtstag oder den Jahreswechsel, und gehen Sie die zehn Bereiche in 15 Minuten durch. Bestätigen Sie die Aktualität mit neuem Datum – ein datierter Ordner wird im Ernstfall deutlich seltener angezweifelt.

  • Umzug oder Änderung der Wohnsituation
  • Neue oder gekündigte Versicherung, Bank- oder Depotwechsel
  • Heirat, Trennung, Scheidung, Geburt eines Kindes
  • Neue Diagnose, geänderte Medikation, Spitalaufenthalt
  • Wechsel der Vertrauensperson oder des Hausarztes
  • Neue oder geänderte Vorsorgedokumente

Wer Notfalldaten, Vorsorgedokumente und Vertragsübersicht an einem Ort bündelt und dort jährlich nachführt, spart sich die Suche in verschiedenen Ordnern. Genau dafür ist der digitale Vorsorgeordner von wegbegleiterapp.com gedacht – die Angaben lassen sich jederzeit ergänzen und als aktuelles PDF ausdrucken.

Häufige Fragen

Mit einer fertigen Vorlage brauchen die meisten 20 bis 30 Minuten für die Grundversion: persönliche Daten, Notfallkontakte, Hausarzt und Krankenkasse, Bankverbindungen und der Hinweis, wo die wichtigen Originale liegen. Ohne Vorlage vergehen schnell mehrere Stunden, weil man zuerst überlegen muss, welche Angaben überhaupt gebraucht werden. Das Zusammensuchen einzelner Dokumente – Policen, Verträge, Urkunden – kann danach in Ruhe über mehrere Abende verteilt erfolgen.

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung im Einzelfall.

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